„Fluchtpunkt Frieden“: Künstler gegen den Krieg – TEXTE UND MUZIK ZUM ANTIKRIEGSTAG - Halim Youssef

„Fluchtpunkt Frieden“: Künstler gegen den Krieg – TEXTE UND MUZIK ZUM ANTIKRIEGSTAG

Juni 12, 2021

WESTDETSCHE ZEITUNG

2. September 2020

TEXTE UND MUZIK ZUM ANTIKRIEGSTAG

„Fluchtpunkt Frieden“: Künstler gegen den Krieg

Veranstaltung der Armin T. Wegner-Gesellschaft erinnerte an den Überfall der deutschen Wehrmacht und damit den Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Von Kristina Hinz

Helîm Yûsiv (Halim Youssef) aus Amude, Syrien, berichtete von seinem Zug des Lebens. „Ein Zug … und drei Länder“ ist seine Allegorie an die Nachwirkungen der Flucht – sie alle vereint eine herausfordernde Erfahrung.

„Abrüsten statt Aufrüsten! Waffenlieferungen stoppen! Krieg verhindern – Fluchtursachen vermindern“ – die Botschaft, die anlässlich des Antikriegstages am Dienstag vermittelt werden sollte, ist eindeutig. „Fluchtpunkt Frieden“ hieß die Veranstaltung der Armin T. Wegner-Gesellschaft, bei der am 1. September Wuppertaler Musiker und Schriftsteller an den Überfall der deutschen Wehrmacht und damit den Beginn des Zweiten Weltkriegs erinnern. 75 Jahre liegt der Krieg zurück, der Millionen Menschen das Leben kostete. Etwas, das es nicht zu wiederholen gilt.

Das Aufrüsten geht dennoch weiter – und das trotz gesundheitspolitischer Herausforderung durch das Coronavirus. Trotz der weiterhin bestehenden Anforderungen des Klimaschutzes, trotz Flüchtlingsthematik. Mit „etwa 45,2 Milliarden Euro“ beziffert das Bundesministerium der Verteidigung auf seiner Homepage den diesjährigen Verteidigungshaushalt. Ein Umstand, auf den die Redner, Oberbürgermeister Andreas Mucke und Guido Grüning, Vorsitzender des DGB Wuppertal, aufmerksam machten. Im Export deutscher Waffen in Kriegsgebiete sieht Mucke die Fluchtursachen. „Wir führen keinen Krieg in Europa, wir exportieren ihn“, gab Grüning zu bedenken. „Von deutschem Boden aus muss Frieden ausgehen“, legte der Oberbürgermeister nahe. Den Zusammenhalt und das Zusammenleben, dessen Basis die Kommunen bilden, betonte er.

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Die Veranstaltung mit Beteiligung des Oberbürgermeisters Andreas Mucke und des DGB-Vorsitzenden wurde in diesem Jahr von der Armin T. Wegner Gesellschaft veranstaltet. Das künstlerische Programm wurde gemeinsam mit dem Verband der Schriftstellerinnen und Schriftsteller gestaltet.

Respekt und Solidarität – diese Werte waren in den literarischen und musikalischen Beiträgen des Abends fest verankert. Mit starker Stimme von Ulrich Klan, Vorsitzender der Armin T. Wegner-Gesellschaft, und klangvoller Untermalung mit Robert Dißelmeyer am Klavier, Jörg Dausend am Schlagzeug und Lukan Lehmann am Bass wurden die politischen Statements für den Frieden unterstrichen. So wurde „Le Deserteur“ von Boris Vian in deutscher Sprache gesungen: Es ging um das Verweigern des Schießbefehls. „Desertieren ist eine Form, um den Krieg zu behindern“, machte Klan deutlich und nahm Bezug zu Vorgehensweisen im Nahen Osten – der Zwangsrekrutierung von Minderjährigen.

Beiträge mit persönlichen Eindrücken

„Frieden bekommen wir nicht, indem wir mit Steinen schmeißen“, hob er einen gewaltlosen Umgang hervor. John Lennons „Imagine“, seine Vision einer friedlichen Gesellschaft, und Bob Dylans Protestlyrik gegen den Aufbau von Atomwaffen mit Nachrichtung von Ulrich Klan waren wohlgewählte Musikstücke der Veranstaltung, dessen Auftakt ein arabisches Trauerlied machte.

Die schriftstellerischen Beiträge gaben persönliche Einblicke wieder. Denn alle Autoren stammen aus Kriegsgebieten. Alaa Al Rashi wurde in Syriens Hauptstadt Damaskus geboren, sein Essay über die Situation der Kurden in Damaskus hat seine Tochter Sham Al Rashi vorgelesen. Safeta Obhođaš las aus ihrem Buch „Legenden und Staub“ und gab so einen Einblick in ihre Fluchterfahrung. Sie stammt gebürtig aus Pale und wuchs in Bosnien und Herzegowina auf.

 Helîm Yûsiv aus Amude, Syrien, berichtete von seinem Zug des Lebens. „Ein Zug … und drei Länder“ ist seine Allegorie an die Nachwirkungen der Flucht – sie alle vereint eine herausfordernde Erfahrung.

Christiane Gibiec vom Schriftstellerverband und Ulrich Klan war es wichtig, Betroffenen eine Stimme zu geben.